Börsen Wissen

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Derivate:
Ein Derivat ist ein Finanzinstrument oder ein gegenseitiger Vertrag, dessen Wert sich von einem Basiswert ableitet. Basiswerte können Wertpapiere (Aktien, Anleihen usw.) Indizes (Dax, Dow Jones, etc.) oder weitere Anlagebereiche wie Rohstoffe und Devisen sein.

Optionsscheine:
Optionsscheine sind Wertpapiere, mit denen Anleger mit einem Hebel von der Kursbewegung eines Basiswertes profitieren können. Sie sind verbriefte Optionen und werden auch als „Warrants“ bezeichnet. Mit sogenannten Kaufoptionsscheinen (Call) setzen Anleger dabei auf steigende und mit sogenannten Verkaufsoptionsscheinen (Put) auf fallende Kurse im Basiswert. Der Basiswert kann dabei beispielsweise eine Aktie, ein Index, eine Währung, ein Rohstoff oder auch eine Anleihe sein. Die Hebelwirkung entsteht im Wesentlichen durch den im Vergleich zu einem Direktinvestment deutlich geringeren Kapitaleinsatz, mit dem auf die Kursbewegungen des Basiswertes spekuliert wird. Ein Beispiel für die Hebelwirkung von Optionsscheinen wird bei der Erklärung von Put und Call gezeigt.

Hebel:
Der Hebel sagt bei einem Optionsschein aus, um wie viel stärker sich der Optionsscheinpreis verändert, als der Kurs des Basiswertes. Ein Hebel von drei indiziert beispielsweise, dass ein Optionsschein drei Mal so stark auf die Schwankungen eines Basiswertes reagiert. Für einen Call-Optionsschein, bei dem die Kursveränderungen gleichgerichtet sind, gilt:
Hebel = Kurs des Basiswert / Optionsscheinpreis.
Beim Put optionsschein ist es genau andersherum.

Die wichtigsten Kennzahlen für Optionsscheine:
Es gibt verschiedene Kennzahlen, mit denen sich Anleger ein Bild von der aktuellen Bewertung des Optionsscheins machen und das künftige Kursverhalten analysieren können. Da sie dem griechischen Alphabet entnommen wurden, werden sie auch kurz die Griechen genannt.

Zu diesen Kennzahlen gehören:
• Aufgeld
• Hebel

Sensivitätskennzahlen, die so genannten Griechen.
• Vega
• Delta
• Theta
• Rho

Vega
Ein wichtiger Faktor für die Wertentwicklung eines Optionsscheins ist die Volatilität. Optionsschein ist nicht gleich Optionsschein. Die Scheine reagieren unterschiedlich auf die Zu- oder Abnahme der Volatilität. Bei der Berechnung hilft der Faktor Vega. Er zeigt die Kursveränderung des Warrants in Abhängigkeit von der Schwankung des Basiswerts. Die Kennzahl gibt an, um welchen Betrag sich der Optionsscheinpreis bei unveränderten Bewertungsparametern theoretisch verändert, wenn die Volatilität des Basiswerts um eine Einheit steigt. 
Ein Vega von 0,25 zeigt, dass sich der Optionsschein um 0,25 Euro nach oben oder unten bewegt, wenn die Volatilität um einen Punkt steigt oder fällt. Ein hohes Vega drückt eine hohe Empfindlichkeit des Scheines auf Volatilitätsänderungen aus. Eine niedrige Kennzahl gibt dagegen an, dass der Warrant relativ unempfindlich ist gegenüber Veränderungen der Volatilität. 
Das Vega ist abhängig von der Moneyness. So ist das Vega bei Optionsscheinen, die am Geld liegen (at the Money) am größten. Bei weit aus dem Geld liegenden Warrants ist das Vega klein.
Vega = Veränderung des Optionsscheinpreises/Veränderung der Volatilität

Delta

Das Delta gilt als wichtigste Kennzahl des Optionsscheins. Der Wert ändert sich wie alle anderen Kennzahlen laufend. Sie gibt die Wertänderung des Optionsscheins in Abhängigkeit von der Kursveränderung des Basiswerts an. Das Delta gibt also auch die Empfindlichkeit eines Optionsscheins gegenüber dem Kurs des Basiswerts an. Mit anderen Worten: Das Delta zeigt an, um welchen Euro-Betrag sich der Preis des Optionsscheins theoretisch ändern sollte, wenn der Kurs des Basiswerts um einen Euro steigt oder fällt. 
Bei Kauf-Optionsscheinen (Calls) bewegt sich das Delta zwischen 0 und Plus 1. Calls weisen ein positives Delta auf, weil sie an Wert gewinnen, wenn der Basiswert steigt. 
Das Delta bei Verkaufsoptionsscheinen pendelt zwischen Minus 1 bis 0. Denn sie verlieren an Wert, wenn der Basiswert steigt.
Delta = absolute Veränderung des Optionsscheinpreises/absolute Veränderung des Kurses des Basiswerts* Bezugsmenge
Beispiel:
Ein Call-Optionsschein auf eine Siemens-Aktie, die ein Delta von + 0,6 besitzt, wird bei einem Anstieg der Aktie um einen Euro theoretisch um 0,6 Euro pro zu beziehender Siemensaktie an Wert gewinnen. Bei einem Kursrückgang wird der Optionsschein um den gleichen Wert sinken.
Anleger müssen den erwarteten Anstieg der Aktie mit dem Delta unter Berücksichtigung des Bezugspreises multiplizieren. Damit kann er den neuen Optionspreis ermitteln.
Weitere Beispiele:
Delta eins – Der Optionsschein befindet sich tief im Geld. Basiswert und Optionsschein bewegen sich fast synchron.
Delta zwischen 0,5 oder Minus 0,5 – Der Schein befindet sich am Geld . Der Optionsschein reagiert auf die Bewegungen des Basiswerts, indem es je nach Richtung der Bewegung, den Inneren Wert auf- oder abbaut.
Delta nahe Null – Da der Warrant weit aus dem Geld notiert, reagiert er gering auf den Kursveränderungen des Basiswerts.

Gamma
Es ist bekannt, dass die Kennzahl Delta abhängig ist von der Kursveränderung des Basistitels. Die Stärke der Veränderung lässt sich durch den Faktor Gamma bestimmen. Die Kennzahl gibt an, wie stark sich das Delta verändert, wenn der Kurs des Basistitels um einen Euro steigt. 
Das folgende Beispiel macht die Kennzahl verständlich:
Besitzt ein Call auf Siemens ein Delta von 0,4 Prozent und ein Gamma von 0,05, dann ergibt sich ein Anstieg der Siemens-Aktie um einen Euro eine Veränderung des Faktors Delta um 0,05 auf 0,45 Prozent. Diese Kennzahl eignet sich weniger für Anleger, die auf steigende Kurse spekulieren wollen, also für Anleger, die eine Aktienposition im Depot absichern wollen.
Gamma = absolute Veränderung des Deltas/absolute Veränderung des Kurses des Basiswertes

Omega
Der klassische Hebel (Leverage) lohnt sich, um einen schnellen Überblick zu erlangen. Er funktioniert als Kennzahl jedoch nur, wenn der Warrant weit im Geld liegt. Sein Nachteil ist, dass eine gleich starke absolute Kursveränderung von Optionsschein und Basiswert unterstellt. Im Normalfall ist die Kurssteigerung des Warrants allerdings geringer, als es der aktuelle Hebel anzeigt.
Damit ein Kauf-Optionsschein (Call) mit einem aktuellen Hebel von zehn tatsächlich um zehn Prozent steigt, muss ein Delta von 100 Prozent bestehen. Zur genaueren Bestimmung nutzen Experten die Kennzahl Omega. Durch die Berücksichtigung des Deltas kann die tatsächlich Hebelleistung für einen Optionsschein berechnet werden. Durch die Multiplikation des Deltas mit dem aktuellen Hebel entsteht das Omega – eine weitere Hebelgröße. Ein Warrant mit einem aktuellen Hebel von sieben und einem Delta von 50 Prozent hat also nur einen effektiven Hebel von 3,5 Prozent. Ein Call steigt also um 3,5 Prozent, wenn der Basistitel um ein Prozent steigt. Wie beim Delta ist zu beachten, dass sich auch die Kennzahl Omega laufend ändert.
Omega = Delta * Hebel

Theta
Der Erfolg einer Spekulation mit Optionsscheinen ist abhängig von der Restlaufzeit. Mit der Kennzahl Theta ist es möglich, den Zeitverlust des Scheins zu errechnen. 
Diese Kennzahl gibt an, um wie viel der Wert des Optionsscheins sinkt, wenn sich die Restlaufzeit um eine Einheit verringert. In der Regel werden dafür ein Tag oder eine Woche verwendet.
Auffällig ist, dass Theta mit einem negativen Vorzeichen, einem Minus angegeben wird, denn der Wert einer Option wird mit abnehmender Restlaufzeit geringer. Ein Wochentheta von 0,7 bedeutet also, dass der Wert des Optionsscheins innerhalb einer Woche bei ansonsten gleichbleibenden Marktbedingungen um 0,07 Euro fällt. Häufig wird auch das prozentuale Wochentheta oder auch Tagestheta angegeben. Bei einem angenommenen Wert von 5,1, reduziert sich der Zeitwert des Optionsscheins pro Woche um 5,1 Prozent.
Bei Warrants aus dem Geld oder am Geld steigt das Theta zum Laufzeitende stark an. Der Optionsschein-Wert wird bei diesen Scheinen fast vollständig durch den Zeitwert bestimmt. Am Ende der Laufzeit liegt er schließlich bei Null.
Rho
Eine nur untergeordnete Bedeutung hat die Kennzahl Rho. Sie gibt die Veränderung des Optionsscheinwerts an, wenn sich die Finanzierungskosten, also Zinsen und Dividenden um ein Prozent ändern.
Rho = Veränderung des Optionsscheinpreises/Veränderung der Finanzierungskosten

Rho wird für einen Kauf-Optionsschein immer positiv und bei Verkaufs-Optionsscheinen immer negativ angegeben.
Rho kann sich stark verändern, wenn sich vor allem die Dividendenzahlungen verändern oder gegen die allgemeine Markterwartung ausfallen.

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